Gastronomie

Junker’s Café & Rösterei

Wir beginnen unsere Reise durch die Welt der inhabergeführten Läden der Stadt Freising ein paar Meter abseits der Hauptstraße. Dort ist es etwas ruhiger, man kann entspannen und sich vom Duft frisch gerösteten Kaffees aus dem Alltag entführen lassen. Unser erster Stopp ist bei Junker’s Café Rösterei.

Was war die Idee hinter der Gründung des Ladens?

Geführt wird das Geschäft von Vater und Tochter Junker. Die beiden stammen ursprünglich aus Ismaning und haben sich im Juli 2018 dazu entschlossen in dem kernsanierten Haus in der Fischergasse 4 ihr Geschäft zu eröffnen. Dazu haben sie quasi alles neu gemacht. „Es gab keinen Boden mehr, keine Rohre mehr, Nichts mehr.“, erzählt uns Nina. Zwar war Papa Junker früher in der Kaserne Freising stationiert, die Entscheidung für den Standort ist aber eher gefallen, weil sich beide in die Räumlichkeiten verliebt haben.

Krankheitsbedingt musste Michael Junker seine physiotherapeutische Praxis in München aufgeben. Während der folgenden zwei Jahre haben ein Freund und Papa Junker dann immer wieder in einem kleinen Trommelröster selbst Bohnen geröstet und so die Leidenschaft zum Kaffee entwickelt. Nach und nach reifte dann die Idee von einer eigenen Rösterei und Tochter Nina war gleich begeistert und half bei der Suche nach Räumlichkeiten im Münchner Umland. Ursprünglich war lediglich eine Rösterei geplant, doch als sie das Haus in der Fischergasse gesehen haben, war klar dass es für eine reine Rösterei zu groß ist. „Das kannst du dann aber nicht mehr alleine machen, ich helfe dir dabei.“, erinnert sich Nina noch. Und so hat sich die Wirtschaftspsychologin dann entschieden einen Cafébereich direkt an die Rösterei angeschlossen zu betreiben.

Obwohl beide jeweils 60 bis 70 Stunden jede Woche im Geschäft sind, haben sie die Entscheidung nicht bereut. In den vergangenen Monaten liefen die Geschäfte gut und die Junkers waren auf der Suche nach mehr Personal zur Unterstützung: „Man ist ja von 10 bis 18 Uhr da. Aber wir sind ja schon eine Stunde früher da und bleiben abends auch mal zwei, drei Stunden länger um die Bürokratie zu erledigen.“, so Nina.

Übrigens hat es das Café der Junkers auch in das Buch mit den 35 besten Adressen für Kaffeegenuss in und um München geschafft!

Wie betrifft euch die Krise derzeit? Und wie verändert sie euer Geschäft?

Dann kam die Coronakrise und von einem Tag auf den anderen wurden die Umsätze – zumindest im Café – auf Null gekappt. „Auf der einen Seite geht es uns damit extrem schlecht“, sagt Michael. Zwar dürften die Junkers auch Produkte zum Mitnehmen verkaufen, aber das macht keinen Sinn: „Zu uns kommen die Leute um Kaffee zu trinken. Und wenn keiner in die Stadt geht, kommt zu uns auch keiner.“, erklärt uns Michael Junker weiter. „Ein bisschen Luftholen ist im Moment aber trotzdem nicht schlimm.“, wirft Nina ein. „Auf der anderen Seite haben wir unser Onlinegeschäft mit dem Kaffee, das sich wesentlich erhöht hat seit Beginn der Krise.“, fährt ihr Vater fort. Innerhalb Freisings ist die Lieferung ab einem Einkaufswert von €25,– kostenfrei und wird umweltfreundlich mit dem E-Bike ausgeliefert. Nina hat so innerhalb der letzten vier Wochen über 400km Kaffeelieferungen gefahren: „Das macht mir Spaß und man bleibt den Leuten im Gedächtnis.“ Den Lieferservice will das Vater-Tochter-Team beibehalten. Positiv haben beide auch die Arbeit von „Spondeals“ hervorgehoben. Über die App wurden demnach „unvorstellbar viele Gutscheine“ gekauft.

Was macht euren Laden einzelartig?

Auf die Frage was denn den Laden so einzigartig macht, hat Michael dann etwas ausgeholt: „Wir sind eine Manufaktur und ein Familienunternehmen. Nirgendwo sonst in Freising gibt es etwas Vergleichbares. Rund 80% aller Produkte entstehen direkt vor Ort bei uns. Wir kaufen den Kaffee in Hamburg bei List und Beisler ein und der Rest ist Handarbeit: Wir rösten den Kaffee, wir wiegen ihn ab, verpacken und vermarkten ihn dann.“ Zwar ist das Geschäft (noch) nicht biozertifiziert, dennoch ist alles regional und nachhaltig. So kommen die Zutaten wie Milch und Eier für Kuchen und Gebäck, das überigens auch vor Ort hergestellt wird, direkt von Biobauern aus dem Freisinger Umland. „Wir legen sehr viel wert auf Regionalität und Qualität. Bei uns ist es vielleicht ein bisschen teurer als woanders. Aber die Leute zahlen das gerne, wenn dafür die Qualität und Wertigkeit des Produktes stimmt.“ Außerdem sind die beiden Junkers immer selbst mit im Laden. Sie kennen die Leute, wissen auch manchmal noch was vor drei Wochen im Kaffeeplausch mit Gästen gesagt wurde. „Ich wollte nicht nach München gehen und so eine Abfertigung haben. Hier in einer kleineren Stadt lebt es sich ganz anders – das ist das Schöne.“, freut sich Nina. 

Und wie gehts weiter?

Für die Zukunft wünschen sich die Junkers, dass es irgendwann wieder wie vor der Krise wird. Selbst wenn sie ab Ende Mai wieder das Café öffnen dürfen, weiß Michael schon, dass der Umsatz mindestens 50% schmäler sein wird – wegen der Regeln für Bestuhlung. Deshalb hoffen sie auf einen super Sommer, dann können sie vielleicht draußen alle Tische bestuhlen.

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